Anthony Ryan: Das Lied des Wolfes: Rabenklinge 01

Nach seiner Rabenschatten-Trilogie nun also die Rabenklingen-Serie. Die Vorgänger-Trilogie begann mit zwei außerordentlich guten ersten Bänden und einem Helden, der mit so viel Tiefe gezeichnet wurde, dass es eine helle Freude war, die Bücher zu verschlingen. Leider war der letzte Teil der Rabenschatten sehr enttäuschend und das Ende hinterließ beim erwartungsvollen Leser ein schales Gefühl.

In „Rabenklinge 1: Das Lied des Wolfes“ findet Ryan wieder zu den Anfängen zurück. Vaelin wird wieder mit dem Verbündeten konfrontiert und begibt sich auf die Suche nach seiner verlorenen Liebe Sheryn. Alte Gefährten und neue Freunde begleiten ihn in asiatisch anmutende Länder. Dort trifft er auf seinen direkten Gegner – Kehlbrand, den Anführer der Barbarenhorde „Stahlhast“. Ryan lässt über längere Strecken des Buchs Kehlbrands Schwester Luralyn vom Aufstieg ihres Bruders erzählen. Sie ist eine „Begabte“, so wie Vaelin es einst auch war. Für ihn war seine magische Begabung sein „Lied“, das er allerdings bereits in der Rabenschatten-Trilogie verloren hat. Nach einigen Fährnissen treffen Kehlbrand und Vaelin, beide im jeweils eigenen Volk die „Dunkelklinge“ genannt, zusammen. Bei dieser Begegnung tritt das Lied, das bisher nur vage beschrieben war,  in den Fokus der Erzählung. Auch wird klar, dass Kehlbrand und seine Anhänger die Feinde sind, mit denen Vaelin es in der Folge zu tun haben wird.

Im ganzen Buch findet sich wieder die feine Subtilität der Figuren, wie sie auch schon in den Rabenschatten-Bänden zu finden war. Trotz einiger brachialer Szenen überwiegt doch der Eindruck den die Figuren auf den Leser machen. Charakterliche Tiefe und Gefühlsintensität werden ohne Pathos, mit leichter Hand vermittelt. Genau das ist, was bereits die ersten Bände der der Rabenschatten-Serie ausgemacht hat. Ein außergewöhnlich guter Cliffhanger lässt den nächsten Band mit höchster Spannung erwarten.

Etwas ärgerlich finde ich den Titel. Im Buch findet sich weit und breit kein Wolf. Und eine solch außergewöhnlich feinsinnige Geschichte hat einen derartigen Griff in die Kiste mit den abgedroschenen Fantasytiteln nun wirklich nicht nötig.

Das Buch ist absolut empfehlenswert. Idealerweise sollte man vorher die Rabenschatten-Bände gelesen haben. Einige Bezüge erklären sich nur hier. Aber auch ohne dieses Vorwissen ist die Geschichte mitreißend und lesenswert.

Anthony Ryan ist Jahrgang 1970, stammt aus Schottland und lebt als Beamter in London.

Anthony Ryan: Das Lied des Wolfes: Rabenklinge 01.
Klett-Cotta, August 2020.
557 Seiten, Gebundene Ausgabe, 25,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Pia Konle.

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