Annette Sabersky: Besser essen ohne Zusatzstoffe

Irgendwann war der Witz da und auch lustig. Jemand sagte stolz, er habe heute lecker gekocht. Er habe eine Dose aufgemacht.

An den Dosen hat sich wenig geändert. Sie bekamen unzählige Geschwisterchen in Gestalt von gefrorenen, gekühlten, eingeschweißten Fertiggerichten. Auch anderes wird fertig zubereitet, bunt verpackt offeriert, in Tuben, Gläsern, Bechern, Tüten. Sie alle haben eines gemeinsam: Der Inhalt wurde haltbar gemacht und mit Geschmack aufgewertet.

Der Preis für das Delegieren des Selber-Kochens kennt keine Grenzen: Bei wenigen Cents für eine Tütensuppe geht es los.

Besser essen könnte für den Eiligen, Immer-Beschäftigten bedeuten: billig (in erster Linie für den Hersteller), viel, lecker süß oder salzig. Manches macht sogar satt.

Die Ernährungswissenschaftlerin Annette Sabersky versteht unter besser essen einen Speiseplan mit so wenig Chemie und Zusatzstoffen wie möglich. Das Ziel ihrer Aufklärung über Zusatzstoffe aller Art richtet sich auf eine gesunde Ernährung und ein Bewusstsein für gesunde Nahrung. Vor allen Dingen dieses Bewusstsein will sie wecken und bietet in den letzten Kapiteln hilfreiche Hinweise, wie man ohne Zusatzstoffe ganz einfach Lebensmittel haltbar macht oder zubereitet. Hierfür bietet sie eine Palette von Grundrezepten, die an die persönlichen Bedürfnisse angepasst werden können. Zurück in die Eigenverantwortung ist ihre Devise.

Die in der Fabrik verarbeitete Nahrung, vielfach gekauft und genutzt, stellt sie im ersten Teil ihres Buches vor. Sie steht für einen typischen Alltag, eine praktisch ausgerichtete Esskultur, die mit Etikettenschwindel und blumiger Werbung schön geredet wird.

Weniger schön sind die von der Autorin beschriebenen Tricksereien mit unterschiedlichen Zusatzstoffen, die man unmöglich frei von Emotionen lesen kann:

Beim Thema eingefärbte Süßigkeiten erklärt sie: „… Hyperaktivität, insbesondere bei Kindern, wird … mit sogenannten Azofarbstoffen in Verbindung gebracht.“ (S. 26) Bei der Verwendung von bestimmten Farben müssen die Verpackungen den Hinweis tragen: „… Kann sich nachteilig auf die Aktivität und Konzentration von Kindern auswirken.“ (S. 26)

… Krebserkrankungen werden auch in Verbindung mit Süßstoffen … gebracht.“ (S. 26)

Wer so etwas liest, freut sich bestimmt auf das nächste zuckerfreie Softgetränk. Denn noch immer steht Diät für gesunde, kalorienbewusste Ernährung.

Die präsentierte Liste von Zusatzstoffen ist lang und teilweise gefährlich. Einige von ihnen enthalten Aluminium und begünstigen die für die Alzheimer-Krankheit typischen Ablagerungen im Gehirn. (S. 25)

Annette Saberskys Informationen sind ein guter Einstieg in ein wichtiges Thema und weckt Hunger auf noch viel mehr, ebenso zu der beklagenswerten Herkunft unserer Nahrung. Die Kluft zwischen Verstehen und Begreifen könnte bei der Lektüre geschlossen werden, so dass neue Essgewohnheiten die alten ablösen. So spart man viel Geld und … den Arzt.

Annette Sabersky: Besser essen ohne Zusatzstoffe.
oekom Verlag, August 2019.
128 Seiten, Taschenbuch, 16,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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