Annette Mingels: Dieses entsetzliche Glück

Die 1971 in Köln geborene Autorin Annette Mingels hat mit „Dieses entsetzliche Glück“ einen Episodenroman im Stile Elizabeth Strouts oder Kent Harufs vorgelegt: Die einzelnen Kapitel spielen zwar alle in derselben fiktiven Stadt – Hollyhock in Virginia/USA -, aber dennoch sind sie in sich abgeschlossen: ein Mittelding aus Roman und Geschichten-Sammlung.

Der Autorin geht es dabei stets um das menschliche Miteinander und die schiere Unmöglichkeit, dauerhaft gemeinsam glücklich zu werden. Da ist der junge Mann, der sich ganz klassisch nicht traut, seine Traumfrau anzusprechen, oder das Paar, das vereinbart, jeder dürfe auch mit anderen schlafen. Zunächst nutzt das nur die Frau, aber als sich später für den Mann eine Gelegenheit ergibt, ist sie in Tränen aufgelöst.

Es geht also immer um die großen Gefühle des Menschseins, denen die Autorin feinsinnig nachspürt und gut nachvollziehbar in Text umwandelt. Problem an diesem Buch ist die schier unüberschaubare Vielzahl an Figuren und wie sie miteinander in Verbindung stehen. Das fordert dem Leser einiges an Konzentration ab.

Die Geschichten haben oft keinen richtigen Anfang und kein Ende. Wir erfahren nicht, ob zwei Selbstmordwillige – eine ältere Frau und ihr Enkel – ihren Plan am Ende in die Tat umsetzen. Aber das ist schließlich das Wesen von Kurzgeschichten.

Annette Mingels: Dieses entsetzliche Glück.
Penguin, August 2020.
352 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Andreas Schröter.

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