Anne Siegel: Wo die wilden Frauen wohnen: Islands starke Frauen und ihr Leben mit der Natur

Für Menschen, die die Natur lieben, ist Island ein Traumland: zerklüftete Felsen, eindrucksvolle Fjorde, heiße Quellen, das wilde Meer und eine – zumindest in den Sommermonaten – bunte Tier und Pflanzenwelt, dazu Ruhe und Einsamkeit. Dass in dieser oft unwirtlichen, aber gleichzeitig fortschrittlichen Gegend auch ganz besondere Menschen gedeihen, beschreibt die Autorin und Journalistin Anne Siegel in ihrem neuen Buch „Wo die wilden Frauen wohnen“. Anne Siegel kennt sich aus in dem Land, das nur knapp südlich des Polarkreises liegt. Über dreißig Mal hat sie es schon besucht und auch darüber geschrieben.

Nun porträtiert sie zehn isländische Frauen, die etwas Besonders leisten und doch ganz „normal“ sind. Diese Frauen sind „wild“, weil sie Isländerinnen sind und damit eine ganz besondere Beziehung zur Natur haben. Aber ihre Wildheit drückt sich auch darin aus, dass sie ihre eigenen Wege gehen, Widerstände überwinden oder Hindernisse zur Seite räumen, sich dabei treu bleiben und sich trotzdem weiterentwickeln. Sie denken die Dinge neu, wie die Gestalterin Katrín Ólína oder die weltbekannte Sängerin Björk mit ihrem individuellen Stil, der sich gemeinsam mit ihr über die Jahre wandelt.

Anne Siegel erzählt von der Frau, die die drittgrößte Brauerei in Island aus dem Nichts aufgebaut hat, obwohl sie gar kein Bier mochte, von einer Seefahrerin, Fischerin und Managerin einer Fischfabrik, die ihren Beruf so liebt, dass sie bei jeder Fahrt ihre Seekrankheit in Kauf nimmt und von einer Rangerin, die ihren Traum verwirklicht hat, in und mit der Natur zu leben, und dafür ihre Stelle als Verwaltungsleiterin an der Uni aufgegeben hat.

Sie alle brennen für das, was sie tun, und haben dafür gekämpft, es tun zu können. Bei manchen war es der letzte Ausweg, der ihnen in der Finanzkrise blieb. Einige haben im Ausland gelebt und sind zurückgekommen, wie Kristín Johannsdóttir, die lange in Deutschland gewohnt hat und nun ein Vulkanmuseum auf ihrer Heimatinsel leitet, das sie selbst mit aufgebaut hat. Ob Pionierin in der Schlafforschung oder in der Geothermalwissenschaft, ob „Könnerin und Kennerin des Islandpferdesports“ oder Abenteurerin: Alle Frauen machen das, was ihnen am Herzen liegt.

Mit Sympathie und Neugier folgt Anne Siegel den Geschichten dieser Frauen. Doch dabei bleibt es nicht. Zusätzlich erfährt man in ihrem Buch noch allerlei über die isländische Gesellschaft, Geschichte und die Gleichberechtigung der Geschlechter, über Wirtschaft, Lebensart und natürlich die Natur. Jede der Frauen hat einen Ort in der Natur, an dem sie auftankt und Kraft schöpft. Wer nach Island reisen möchte, kann diese Kraftorte anhand der angegebenen GPS-Daten finden. Und dieses Buch zu lesen macht viel Lust darauf, tatsächlich anzuschauen, was darin beschrieben wird. Anne Siegel schreibt lebendig, kenntnisreich und höchst unterhaltsam. Jedes Porträt ist so besonders wie die Frauen, von denen es erzählt.

Ein Buch für Frauen und Männer, die wissen wollen, was Island so außergewöhnlich macht und die über Frauen lesen möchten, von denen man einiges darüber lernen kann, wie man sein Leben nach den eigenen Vorstellungen führt. Ich kann es nur wärmstens empfehlen.

Anne Siegel: Wo die wilden Frauen wohnen: Islands starke Frauen und ihr Leben mit der Natur.
Malik, März 2020.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 20,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Beate Fischer.

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