Anna Hope: Was wir sind

Hannah, Lissa und Cate sind Freundinnen. Teils seit der Schule, teils seit dem Studium. Sie haben schon einiges gemeinsam durchgemacht und stehen jetzt mit Mitte 30 an ganz unterschiedlichen Punkten. Lissa versucht sich als Schauspielerin, doch der Erfolg will sich nicht recht einstellen. Hannah wünscht sich nichts sehnlicher als ein Baby. Mit Ehemann Nathan versucht sie deshalb seit Jahren, schwanger zu werden. Aber außer einer Fehlgeburt hat sie wenig vorzuweisen. Cate hingegen ist die Mutterschaft einfach in den Schoß gefallen: Schon zwei Monate, nachdem sie Sam kennenlernte, war sie schwanger. Und nun ist sie mit Baby Tom völlig überfordert und hat noch nicht ganz verarbeitet, dass er per Kaiserschnitt auf die Welt kam.

Das Figurenkonstrukt aus Anna Hopes Roman „Was wir sind“ erweist sich nach gut einem Drittel des Romans als wahres Minenfeld. Auf den ersten Blick sind Hannah, Lissa und Cate drei Frauen, die sich seit Jahren kennen und einiges miteinander erlebt haben. Sie haben sich etwas auseinandergelebt, halten aber weiterhin Kontakt. Erst auf den zweiten Blick werden viele Spannungen klar und fallen sensible Themen auf. Hannah könnte fast verrückt werden, wenn sie sieht, wie einfach Cate ein Baby bekommen hat und wie unzufrieden sie mit der Gesamtsituation ist. Denn Hannah hat bereits viel Geld für künstliche Befruchtungen und Arzttermine ausgegeben. Doch alles ohne Erfolg. Ihr Partner Nathan, den sie einst über Lissa kennenlernte, ist am Ende seiner Kräfte und die Themen Schwangerschaft und Baby werden zur wahren Zerreißprobe ihrer Ehe.

Anna Hope hat sich für jede ihrer Figuren ungefähr gleich viel Zeit genommen. Man kann nicht sagen, dass eine der drei Frauen wichtiger wäre als die andere. Zudem gibt es stets einen Blick auf Vergangenes, das immer wieder die gegenwärtige Situation durchbricht. So weiß man bald, dass Cate unter Depressionen leidet, Lissa heimlich auf Nathan steht und Cate sogar mal was mit einer Frau hatte. Immer neue Abgründe tun sich zwischen den Figuren auf. Dabei bleibt jede Entwicklung glaubhaft und aus dem Leben gegriffen und die Lektüre herrlich klischeefrei. „Was wir sind“ ist ein sehr guter Roman über das Leben dreier Frauen, die zwar Freundinnen sind, aber unterschiedlicher kaum sein können. So viel sie miteinander teilen, so groß sind zugleich die Geheimnisse, die sie voreinander haben.

Sehr gelungene Lektüre!

Anna Hope: Was wir sind.
Hanser, Februar 2020.
368 Seiten, Gebundene Ausgabe, 22,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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