Angie Thomas: The Hate U Give

Die 16-jährige Starr trifft seit langem mal wieder ihren ehemals besten Freund Khalil auf einer Party. Sie hatte den gleichaltrigen Jungen aus den Augen verloren, doch die beiden verstehen sich wieder auf Anhieb. Auf einer Autofahrt am selben Abend werden sie von einem Polizisten angehalten, Khalil muss aus dem Wagen aussteigen und wird kurz darauf von dem Polizisten erschossen. Dabei war er unbewaffnet! Geschah alles nur, weil Khalil schwarz war? Starr ist hin- und hergerissen und weiß nicht, wie sie sich verhalten soll. Soll sie schweigen oder reden? Ihre Eltern möchten sie aus der Sache raushalten, erzählen keinem, dass Starr involviert war. Doch Starr spürt, dass dies nicht ihr Weg sein kann.

Angie Thomas‘ Roman ist großartig und extrem authentisch. Wüsste man es nicht besser, würde man glauben, sie hätte genau die gleiche Situation erlebt. Manches hat sie vielleicht sogar erlebt, denn sie ist in Jackson, Mississippi, aufgewachsen und ebenfalls schwarz. Starr lebt in einer Art schwarzem Ghetto ihrer Stadt. Als vor sechs Jahren bereits ihre beste Freundin Natasha auf offener Straße erschossen wurde – damals ein 10-jähriges Mädchen! – beschließen Starrs Eltern, dass die Kinder eine bessere Zukunft haben sollen und kratzen jeden Cent zusammen, damit die Geschwister auf eine Schule in einem weißen Viertel gehen können. Seitdem lebt Starr in zwei Welten und trennt diese strikt voneinander. Immer wieder kommt es bei dem Spagat zu Konflikten und dieses Thema ist eines der prägenden des Romans.

„The Hate U Give“, übrigens angelehnt an Tupac Shakur und die Rapperszene, ist aber noch mehr. Sehr sozialkritisch, aber dennoch für Jugendliche geeignet, nähert sich Angie Thomas der Frage, was eigentlich Mut bedeutet. Ist Starr mutig, obwohl sie Angst hat? Und was ist in ihrer speziellen Situation mutig?

Im Roman wird Starr etwa über 10 Wochen nach dem Tod ihres Freundes begleitet und es gibt Höhen und Tiefen. Die Szenen bleiben aber immer authentisch und wirken aus dem Leben gegriffen. Man spürt, dass die Autorin sich lange mit ihren Themen auseinandergesetzt hat und es versteht, den Ton junger Leute zu treffen, ohne in Klischees abzurutschen. Viele ihrer Figuren bedienen klassische Klischees und doch hat man keinesfalls das Gefühl, ein Buch über Klischees zu lesen. Auch wenn man selbst weit entfernt von derartigen Situationen lebt, geht dieser Roman nahe und regt zum Nachdenken an. Und das alles verständlich formuliert für Jugendliche ab etwa 15 Jahren!

Ein großartiges Buch, das gelesen werden sollte!

Angie Thomas: The Hate U Give.
cbt, Juli 2017.
512 Seiten, Gebundene Ausgabe, 17,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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