Andrew Bannister: Die Spin-Trilogie 01: Die Maschine

Willkommen im Spin, einer künstlichen Region im All, den eine verschollene Superrasse einst geschaffen hat. Um 21 Sonnen kreisen nicht weniger als 89 bewohnbare Planeten, die jetzigen Bewohner des Spins sind fast schon verzweifelt auf der Suche nach Überbleibseln der legendären Erbauer – auch wenn sie diese, zumeist gar nicht verstehen. Dabei ist ihnen jedes Mittel recht – die technologisch ganz unterschiedlich weit entwickelten Reiche scheuen sich auch nicht davor, mit dreckigen Atombomben ganze Planeten umzugestalten.

Viklun Haas beherrscht nicht nur einen großen Teil des Spins, er hat auch weitreichende Pläne. Pläne, in denen seine aufmüpfige Tochter keine Rolle spielt. Fleare selbst hat sich lange von ihrem Vater losgesagt, hat sich anfänglich aus Trotz, später aus Überzeugung den Rebellen der Anderen Gesellschaft angeschlossen. Als die Mächtigen des Spins die Rebellion wie einen lästigen Floh auslöschen, gerät sie in Gefangenschaft, wird verkauft und deportiert und wartet in einem aufgegebenen Kloster einer kargen, kalten Randwelt darauf, langsam zu verhungern. Als sie von ihrem ehemaligen Kameraden, dessen Bewusstsein in eine KI hochgeladen wurde, befreit wird, beginnt sich das Rad erneut zu drehen …

Ein weiterer Spieler im großen Machtpoker, der Patriarch, der vom sadistischen Alameche unterstützt wird hat ein Artefakt der Erbauer gefunden – ein Überbleibsel das, so die Überzeugung aller, die Machtpyramide umgestalten, oder aber den Spin vernichten könnte. Auf Traspise kommen die verschiedenen Machtgruppen zusammen, um das Artefakt jeweils für sich zu sichern …

Andrew Banisters Roman wird als „Eines der zehn wichtigsten Bücher des Jahres“  beworben. Hier hat man aber doch ein wenig arg hoch gegriffen, mangelt es dem Roman doch an wirklich interessanten Sympathieträgern oder auch nur an Protagonisten, die vielschichtig gezeichnet sind. In den verschiedenen Handlungssträngen geht es munter immer wieder zurück in die Vergangenheit, werden Geschehnisse und Erlebnisse insbesondere Fleares beleuchtet, ohne dass uns diese als Hauptperson wirklich ans Herz wächst. Oder nehmen wir den Patriarch und seinen willfähigen Peversling Alameche die als Abziehbilder des Bösewichts plakativ und stereotyp dargestellt werden.

Dabei sind durchaus interessante Elemente vorhanden. Die verschollene Hochzivilisation, die Handlungsorte insgesamt und auch der packende Ansatz, Realität und Simulation zu vermischen und den Leser rätseln zu lassen, ob die Wirklichkeit vielleicht eine Simulation war, oder umgekehrt sind durchaus vielversprechend. Allerdings ist der Aufbau recht kompliziert, die Handlungsstränge wechseln allzu abrupt, brechen dann wieder unmotiviert ab, die Charaktere wissen, wie bereits erwähnt, nicht wirklich zu überzeugen. Die Welt(en) selbst werden leider nur sehr grob skizziert, hier hat der Autor Potential verschenkt. Allein die Suche nach Erkenntnissen über die mysteriösen Erbauer, das Aufeinanderprallen solch auch technologisch so unterschiedlich entwickelten Gesellschaften im Spin hätten hätten für faszinierendes Erzählgarn gesorgt. Dass er dies nicht weiter ins Zentrum gestellt hat, erweist sich letztlich als fatal.

So bleibt nämlich eine leidlich spannende, manches Mal verwirrende Abenteuerhandlung, die den Leser ein wenig ratlos zurück lässt.

Andrew Bannister: Die Spin-Trilogie 01: Die Maschine.
Piper, Oktober 2016.
416 Seiten, Taschenbuch, 16,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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