Anca Sturm: Der Weltenexpress 02: Zwischen Licht und Schatten, gelesen von Rainer Strecker

Seit einigen Tagen ist Flinn Nachtigall eine richtige Schülerin im Weltenexpress, der Schule, die auf mehrere Waggons aufgeteilt ist und durch die Welt fährt. Auf ihrer Fahrt nimmt sie immer wieder Schüler und Schülerinnen auf, die besonders begabt sind und im Großen oder im Kleinen besondere Dingen tun werden. Als offiziell wird, dass Flinn ihr Ticket von keinem geringerem als dem Tiger höchstpersönlich erhalten hat, ist die Schüler- und Lehrerschaft in hellem Aufruhr. Denn Tigerkinder sind selten, sie sollen später einmal den kompletten Lauf der Welt revolutionieren mit ihren Entdeckungen. Flinn kann das gar nicht recht glauben, denn sie ist doch nur ein ganz normales Mädchen.

Schon an dieser kurzen Zusammenfassung merkt man, dass man „Zwischen Licht und Schatten“ nicht vor dem ersten Band „Der Weltenexpress“ aus dem Jahr 2018 lesen oder hören sollte. Der Inhalt des ersten Bandes wird zwar knapp wiederholt, aber es fehlen dann immer wieder Zwischeninformationen und wichtige Details. Anca Sturms Idee wohnt ein ganz besonderer Zauber inne: Der Weltenexpress ist überaus magisch, auch wenn kein Mensch auf der Welt mehr Magier ist. Allein die Tinker lernen, die Magie aus der Atmosphäre zu fischen und sie für sich nutzbar zu machen. Die Schüler und Schülerinnen des Welten-Expresses werden Pfauen genannt und sollen auf die eine oder andere Art später einmal die Welt verändern. Bis es soweit ist, rattert der Zug mit ihnen durch alle möglichen Länder und lässt sie durch Magie einander verstehen, obwohl ein jeder von ihnen seine eigene Sprache spricht. Auch Flinn hat in der kurzen Zeit, die sie schon an Bord des Zuges ist, bereits Freunde in Pegs, mit der sie nun auch ein Abteil teilt, Kasim und Fedor, dem Kohlenjungen gefunden. Doch seit Flinn offiziell zu den Schülern gehört, hat sich gerade Fedor von ihr abgewandt.

Eins ist den beiden Bänden um den Weltenexpress gemeinsam: Flinn betrat ihn einst, um mehr über das Verschwinden ihres Bruders Jonte herauszufinden. Auch er wurde vor längerem durch ein Zugticket zu einem Pfau an Bord des Zuges. Doch er verschwand auf ungeklärte Art und Weise aus dem Zug – und er war nicht der erste! Natürlich ist Flinns Interesse geweckt und es kann ja wohl kein Zufall sein, dass sie eines seiner alten Kleidungsstücke erhält, als sie für das neue Schuljahr ausgestattet wird.

Leichte Parallelen zu Harry Potter und Konsorten lassen sich bei Anca Sturms Welten-Express natürlich nicht von der Hand weisen. Aber ich finde, die Idee ist pfiffig genug, um auch eigenständige Wege zu gehen, zumal es sich weder bei den Kindern noch bei den Lehrern um Magier handelt. Zugegeben spielt Magie natürlich eine wichtige Rolle.

Insgesamt fand ich den Auftaktband interessanter als „Zwischen Licht und Schatten“. Der neue Band verstrickte sich in viel Action und ging nicht so sehr im Detail auf den Welten-Express und seine besondere Atmosphäre ein. Diese klang nur als Nebenschauplatz an. Auch fand ich Rainer Strecker als Mann nicht gerade die beste Wahl für den Sprecher. Er las bereits das Hörbuch des ersten Bandes, welchen ich allerdings als gebundenes Buch selbst gelesen habe. Insofern macht es natürlich Sinn, ihn auch für den zweiten Band einzuspannen. Meinen persönlichen Geschmack traf diese Wahl nicht.

Netter zweiter Band der guten Reihe, aber eben nicht mehr. Hoffentlich wird ein möglicher Folgeband wieder besser. Denn Anca Sturm hat gute Ideen und eine angenehme Schreibe.

Anca Sturm: Der Weltenexpress 02: Zwischen Licht und Schatten, gelesen von Rainer Strecker.
Silberfisch, August 2019.
6 CDs, Gekürzte Fassung, 6 Stunden und 22 Minuten.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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