Amélie Wen Zhao: Herz aus Blut und Asche

Einst gehörte sie zu den Reichen, begüterten und gefeierten Menschen des Reiches. Die Rede ist von der Kronprinzessin Ana, die vom Volk verehrt und von ihren Eltern, wie dem älteren Bruder verwöhnt aufwuchs. Bis, ja bis eines Tages unerwartet ihre Magie durchbricht, sie sich als Affinite entpuppt. An diesem Tag sterben Menschen, weil sie ihre Kräfte der Blutmagie nicht beherrschen kann – und sie verliert ihr Erbe. Eine königliche Affinite, das kann, das darf es nicht geben im Kaiserreich, das von der Versklavung und Ausbeutung der Magier lebt und gedeiht. Es wird ein Mann eingestellt, der dafür sorgen soll, dass sie ihre Kräfte verliert, offiziell stirbt sie an einer Erkrankung.

Als ihr Vater im Palast ermordet wird, kann Ana ihn auch mir ihrer Magie nicht retten. Dass sie mit seinem Blut auf den Händen beim toten Monarchen gefunden wird, sichert ihn den Strick. Sie entkommt und hat nur Eines im Sinn – Rache an dem Mann zu üben, der ihr den Vater und die Zukunft genommen hat. Doch um dem Flüchtigen überhaupt auf die Spur zu kommen, braucht sie Hilfe. Nur ein Mann, ein Filou aus dem Bilderbuch, ein Mann des organisierten Verbrechens kann ihr helfen – doch Ramson Silberzunge sitzt im tiefsten Kerker des Reiches wohl bewacht von den Soldaten und wartet auf seine Hinrichtung …

In ihrem Romandebut präsentiert uns in in den USA lebende Autorin auf den ersten Blick eine recht typische High Fantasy-Geschichte. In einem archaischen Umfeld verfolgen wir die Bemühungen einer magisch talentierten Ex-Prinzessin mit, Rache an den Schuldigen zu nehmen und letztlich, nach ein paar Bänden wohl auf dem Thron platz zu nehmen. Dabei warten jede Menge Wendungen und auch herbe Verluste auf unsere Protagonistin, muss sie ein ums andere Mal erkennen, dass selbst die scheinbar Schuldigen nur unfreiwillige Helfershelfer von Drahtziehern im Hintergrund sind.

Was die Geschichte aus dem Gewohnten heraushebt sind sicherlich die Beschreibungen der Begabten, die versklavt und ausgebeutet werden. Die behütet aufgewachsene Ex-Prinzessin lernt am eigenen Leib Repressionen, Vorurteile und Unterdrückung kennen, leidet mit und erkennt, wie naiv, aber auch wie uninteressiert sie bis dahin mit dem Leid der Unterdrückten gelebt hat. Gewalt und Missbrauch, das Unrecht der Stärkeren, der den Schwachen ausbeutet – das sind Themen, die man in Fantasy-Romanen eher selten antrifft. Insoweit war dieser Blickwinkel ungewöhnlich, schuf gleichzeitig eine glaubwürdige Motivation für die Hauptperson. Ein wenig abgegriffener dagegen ihr Helfer – der Verbrecher mit der guten Seele, der erst widerwillig und zögerlich, dann aber doch voller Elan die Mission unterstützt, der an seinem persönlichen Schicksal zu knabbern hat, das ist altbekannt.

Insgesamt ein flott zu lesender Roman, der im Hintergrund ein wenig ernsten daherkommt, als gewohnt und Interesse daran weckt, wie es wohl weitergehen wird.

Amélie Wen Zhao: Herz aus Blut und Asche.
Heyne, August 2020.
464 Seiten, Taschenbuch, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

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