Alex Wheatle: Die Ritter von Crongton

Der Autor Alex Wheatle hat eine Mission. Er zeigt, wie Jugendliche in sozialen Brennpunkten überleben können. Seine Devise: Nur mit echten Freunden kann man den Gangs und ‚Ghettoratten‘ fernbleiben. Echte Freunde halten auch zusammen, wenn es mal richtig schlimm wird.

Die Freunde McKay, Little Bic und Jonah sind echte Freunde. Doch nun kommt die erste Verliebtheit ins Spiel und bringt alles durcheinander, als Little Bic von Venetias Schwierigkeiten erfährt. Ihr Exfreund, drei Jahre älter und Mitglied einer Gang, hat ihr Handy gestohlen, auf dem unter anderem sehr persönliche Bilder gespeichert sind. Wenn diese Bilder veröffentlicht würden, wäre dies für Venetia mehr als nur eine Katastrophe. Natürlich will ihr Little Bic helfen. Und wenn er hilft, dann sind auch McKay und Jonah mit von der Partie, die unbedingt Venetias Freundin näher kennenlernen wollen. Als Gruppe begeben sie sich in Feindesland, überraschen Venetias Exfreund in seiner Wohnung und erobern das gestohlene Handy zurück. Doch ihr Abenteuer läuft kurz darauf völlig aus dem Ruder. Der Überfall einer Gang entpuppt sich als Auftakt zu weiteren Gefahren, die ihren langen Heimweg nahezu unmöglich machen.

Alex Wheatle erzählt in seinem zweiten, eigenständigen Band aus der Perspektive des Halbwaisen McKay, der von seinem Vater und großen Bruder mit Vorschriften überhäuft wird. Beide haben ihre leidlichen Erfahrungen mit Gangs gemacht und wollen den vierzehnjährigen McKay so weit wie möglich beschützen. Selbstverständlich schätzt dieser seine Risiken ganz anders ein. Den Todfeinden seines großen Bruders könne er aus dem Weg gehen, glaubt er. Erst als er und seine Freunde um ihr Leben fürchten müssen, erkennt McKay die Tragweite mancher Verbote. Auch andere gefährliche Situationen während ihrer heimlichen Aktion (»Wir retten Venetias Ehre!«) zeigen ihre Tücken. McKay erlebt auf die harte Tour, wie er und seine Freunde Ängste, Eifersucht und ihr Vertrauen zueinander in schwierigen Situationen ausloten.

Dramen und lustige Sprüche runden die kurzweilige Lektüre ab. Wer den ersten Band noch nicht gelesen hat, wird dies vermutlich nachholen wollen. Sollten die nachfolgenden Bände ebenfalls so stark und originell geschrieben sein wie der Zweite, ist ein Suchtfaktor garantiert.

Alex Wheatle: Die Ritter von Crongton.
Verlag Antje Kunstmann, September 2018.
256 Seiten, Gebundene Ausgabe, 18,00 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Sabine Bovenkerk-Müller.

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