Alex Gino: George

George ist 10 Jahre alt und ein Mädchen. Bloß hat sie das noch keinem gesagt, selbst ihrer Mutter nicht! Tagtäglich ist sie in der Schule Hänseleien ausgesetzt. Wichtige Stütze ist dabei allein ihre beste Freundin Kelly, bei der sie zumindest ein bisschen sie selbst sein kann. Heimlich sammelt sie Mädchen-Zeitschriften und liest sie in unbeobachteten Momenten. Gerne allerdings würde sie viel mehr tun als nur das! Zum Beispiel die weibliche Hauptrolle im Theaterstück der Schule spielen. Doch das geht wohl nicht, denn für alle anderen ist George nur eines: ein Junge!

Zwölf Jahre hat Alex Gino gebraucht, um „George“ zu schreiben. Das merkt man leider nur manchmal beim Lesen. Er ist selbst transgender und verpackt hier sicher auch ein wenig Biographisches. Die Welt habe dringend mal ein Buch wie „George“ gebraucht, erwähnt er in den Anmerkungen. Leider hat die Welt in den letzten zwölf Jahren nicht nur geschlafen und Autoren wie David Levithan oder Lisa Williamson hervorgebracht, die sich ebenfalls in Jugendromanen mit dem Thema auseinandergesetzt haben. Doch es gibt ein unterscheidendes Merkmal zwischen ihnen: Gino schreibt tatsächlich eher für Erwachsene, wenn auch aus dem Blickwinkel eines unverstandenen Kindes. „George“ sei vor allem Eltern ans Herz gelegt, die sich mit dem Thema auseinandersetzen wollen und dabei nicht gleich zu Sachbüchern mit Daten und Fakten greifen wollen.

„George“ beleuchtet die gefühlvolle Seite der Thematik und hilft vielleicht ein bisschen Gespür für diese Kinder zu entwickeln. Leider ist die Geschichte viel zu kurz geraten. Gerne hätte man noch ausführlicher aus Georges Leben gelesen. Toll dabei ist aber auch, dass sie selbst sich konstant als Mädchen sieht, was für die Leser und Leserinnen anfangs durchaus gewollt verwirrend ist. Man muss selbst erstmal auf die Suche gehen, was George denn nun ist: ein Mädchen oder ein Junge? Dass die Antwort darauf gar nicht so wichtig und entscheidend ist, merkt man erst später.

Leider viel zu kurz, aber lesenswert!

Alex Gino: George.
Fischer, August 2016.
208 Seiten, Gebundene Ausgabe, 14,99 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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