A. S. Bottlinger: Der Fluch des Wüstenfeuers

feuerNur wenige wurden vom Schicksal dazu auserwählt, die mystischen Kräfte des Feuers zu spüren und leiten zu können. Wann immer bei einer Frau der Wüstenstämme oder der wenigen Städte an Oasen entsprechende Fähigkeiten entdeckt werden, werden diese mit Hilfe eines auf der Stirn angebrachten Siegels gebannt, die Frau in den Harem des Herrschers aufgenommen.

Ihr weiteres Schicksal ist einfach – sie soll dem Herrscher mächtige, begabte Söhne gebären, dafür lesen ihr die Haremswächter, Diener und Untertanen jeden Wunsch von den Augen ab. Dieses Schicksal drohte auch Iaret, einer jungen Adeligen, in der das Wüstenfeuer stark fließt.

Nachdem sie zum ersten Mal zum Herrscher gerufen und von diesem Missbraucht wurde weiß sie, dass sie dem goldenen Käfig entfliehen muss. Sie zwingt einen Gelehrten ihr bei der Entfernung des Siegels zu Willen zu sein – bis der Herrscher das Zimmer stürmt, und sie in den Kerker von Niat werfen lässt, einem finsteren Gefängnis, aus dem noch Niemandem je die Flucht gelang. Selbst Leichen werden hier von den Bestattern entsorgt, dem Hunger folgend in deren Bäuchen.Iaret findet Verbündete – einen der Feuermagie nicht mächtigen Sohn des Herrschers, der gegen seinen Vater rebellierte und eine Mörderin, die sie adoptiert. Gemeinsam wollen sie den im Kerker gefangen gesetzten Dschinn befreien und fliehen – ein dummer, ein gefährlicher, ein desaströser Plan, wie sich erweisen wird …

Andrea Bottlinger, das weiß ein Jeder, der sich näher mit phantastischer Literatur in Deutschland befasst, ist wahrlich kein unbeschriebenes Blatt. Nach einem Ägyptologie Studium und einem Volontariat bei Klett-Cotta, während dem sie bereits für diverse phantastische Periodika schrieb, verdient sie mittlerweile ihren Lebensunterhalt im Business. Die lektoriert und übersetzt Bücher, arbeitet als Expokrat für Zaubermond, hat unter Pseudonym diverse Bücher veröffentlicht und nicht zuletzt mit dem preisgekrönten „Geek Pray Love“ auf sich aufmerksam gemacht. Nach „Aeternum“ legt sie mit vorliegendem Roman ihr erstes, von hoffentlich noch einigen Fantasy-Romanen in der Hobbit-Presse auf.

Dass die Autorin schreiben kann, das hat sie bereits hinlänglich bewiesen. Dass sie sich aber an die schwierige Aufgabe herantraut, uns von einer archaischen Welt zu berichten, in der es einmal nicht wie bei Rittern annu dazumal zugeht, in der sie sich eher im Orient als im Occident bewegt, das hat mich überrascht.

Überrascht deshalb, weil dieses so lange mehr als vernachlässigte Setting in letzter Zeit ein wenig mehr genutzt wird, überrascht aber auch, weil Bottlinger es gewagt hat, in diese Welt der Sultane, Paläste und stolzer Krieger eine Haremsdame als Hauptdarstellerin auszuwählen. Eine Frau aus guten Hause, die, bevor sie in den Kerker geworfen wird, noch nie persönlich mit Hunger, direkter Gewalt und Existenzsorgen konfrontiert wurde berichtet – nicht etwa, in Selbstmitleid zerfließend von ihrem Martyrium, sondern aktiv ihr Schicksal annehmend davon, wie sie weiterhin die in ihr wohnenden Fähigkeiten nutzen und frei sein will.

Hoppla, da hat eine Verfasserin es doch glatt gewagt Themen wie Emanzipation, Selbstverwirklichung, Gleichberechtigung und Freiheitsdrang in einen Fantasy-Roman zu inkludieren. Und dies noch dazu auf höchst vergnüglich zu lesende Art und Weise, dass sich die Seiten wie von selbst umschlagen.

Ich folgte den geschilderten Ereignissen gebannt, nahm am Schicksal Iarets Anteil, bewunderte ihren Mut, ließ mich von der düsteren Atmosphäre des Kerkers beeindrucken und von der Handlung mitreißen.

Das ist weit von der üblichen Questenfantasy entfernt und unterhält packend und einfühlsam zugleich, somit eine Empfehlung wert.

A. S. Bottlinger: Der Fluch des Wüstenfeuers.
Klett-Cotta, August 2016.
367 Seiten, Taschenbuch, 16,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Carsten Kuhr.

 

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Ein Kommentar zu “A. S. Bottlinger: Der Fluch des Wüstenfeuers

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