A. Meredith Walters: Für uns macht das Universum Überstunden

Ellie McCallum wird von Pflegefamilie zu Pflegefamilie gereicht in ihrer Jugend. Mit Anfang zwanzig kann sie kaum auf Erfolge zurückblicken, wenn man da nicht gerade den abgeschlossenen Aufenthalt im Jugendgefängnis dazuzählen möchte. Gerade fasst sie wieder Fuß in der Gesellschaft, als ihr Flynn Hendricks über den Weg läuft. Seit Jahren hat sie den jungen Mann nicht mehr gesehen. In der Schule wurde er von ihr und ihren Freunden wegen seines Asperger-Syndroms gehänselt. Ellie ist sich dieser Schuld bewusst, auch wenn sie selbst immer wieder zaghaft versucht hatte, sich mit ihm anzufreunden. Und jetzt läuft sie ihm ständig über den Weg, dabei hat sie auch so schon genügend Probleme! Weiß Flynn, dass sie einst sein Leben zerstört hat?

„Für uns macht das Universum Überstunden“ ist ein irgendwie befremdlicher Roman. Die Geschichte wird zur Hälfte von Ellie erzählt, die die Anteile der Gegenwart übernimmt. Die andere Hälfte wird aus Flynns Perspektive geschildert und findet in etwa statt, als die beiden sechzehn Jahre alt waren. Das befremdliche daran sind Ellies Freunde! Zu ihnen zählt beispielweise Dania, diese ist zu Beginn der Geschichte etwa im 4. Monat schwanger, raucht wie ein Schlot und trinkt Alkohol in rauen Mengen. Ellie unternimmt fast nichts dagegen, ihre Freundin zur Besinnung und einem gesunderen Lebensstil anzuregen. Und so sind alle Freunde von Ellie. Als Leserin kann man sich nur ständig an den Kopf packen und schimpfen. Vielleicht sind die Figuren etwas zu krass gezeichnet, der Ton etwas zu ruppig. Dann aber wieder passt das zur Geschichte. Man ist hin- und hergerissen zwischen den unterschiedlichen Ansichten.

Die Geschichte rund um Ellie und Flynn als solches ist toll, wenn auch sehr klischeehaft. Es macht viel Spaß, vor allem Flynns Szenen zu lesen, die von seinem Asperger-Syndrom geprägt sind. So fällt es ihm beispielsweise schwer, menschliche Emotionen überhaupt auszuhalten und zu deuten. Mit seiner zaghaften Freundschaft zu Ellie im Teenageralter ist er maßlos überfordert. Wie kann sie lachen und nicht fröhlich sein? Warum spielt sie mit ihm in der einen Minute und ist nett zu ihm in der nächsten? Den Gruppenzwang zwischen Ellie und ihrer Clique kann er nicht verstehen.

„Für uns macht das Universum Überstunden“ ist trotz der beschriebenen Schwierigkeiten ein lesenswerter, netter Roman, mit dem man seine Zeit gut verbringen kann. Nicht der große Wurf, aber eben ein etwas mehr als durchschnittliches Liebesbuch mit einer interessanten Geschichte.

A. Meredith Walters: Für uns macht das Universum Überstunden.
dtv, März 2017.
400 Seiten, Taschenbuch, 10,95 Euro.

Diese Rezension wurde verfasst von Janine Gimbel.

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